Volksbanken trotzen Niedrigzinsen

Fast sieben Milliarden Euro Gewinn in Genossenschaftsgruppe

Reuters/dpa Frankfurt. Die Genossenschaftsbanken in Deutschland trotzen den niedrigen Zinsen und der mauen Kreditnachfrage in Deutschland. Ihre Finanzgruppe fuhr im vergangenen Jahr wie 2012 einen konsolidierten Jahresüberschuss von 6,9 Milliarden Euro ein.
Das teilte der Branchenverband BVR am Mittwoch in Frankfurt mit. Zur genossenschaftlichen Finanzgruppe zählen mehr als 1000 Volks- und Raiffeisenbanken, die Zentralinstitute DZ Bank und WGZ Bank, die Sparda- und PSD-Banken sowie Spezialisten wie die Bausparkasse Schwäbisch Hall und die R+V Versicherung. Auch 2014 entwickle sich die Ertragslage positiv, sagte BVR-Vorstand Andreas Martin. Im Kredit- und Einlagengeschäft hätten die Genossenschaftsbanken ihren Marktanteil ausgebaut. Im vergangenen Jahr gelang es den Instituten – im Gegensatz zu den Sparkassen und vielen anderen Banken –, den Zinsüberschuss zu steigern. „Der Druck auf die Margen konnte auch im Geschäftsjahr 2013 durch Volumensteigerungen im Kundengeschäft überkompensiert werden“, erklärte Martin. Das Zinsergebnis, die größte Ertragsquelle der Genossenschaftsbanken, kletterte um zwei Prozent auf rund 20 Milliarden Euro. An Unternehmen und Selbstständige vergaben die Institute mehr Kredite, obwohl die Kreditnachfrage im vergangenen Jahr insgesamt schrumpfte. Zudem mussten die Genossen für ausfallgefährdete Kredite dank der guten konjunkturellen Lage in Deutschland weniger zurücklegen.

Kritik an EU-Plänen

Sorgen bereitet den Genossenschaftsbanken dagegen die Ausgestaltung des europaweiten Banken-Abwicklungsfonds. Aus Sicht des BVR sollten in erster Linie Banken einzahlen, die riskante Geschäfte machen und denen der Fonds bei einer Schieflage auch tatsächlich unter die Arme greifen würde. „Es ist nicht gerechtfertigt, kleine Institute mit Beiträgen zum Fonds zu belasten, wenn von vornherein klar ist, dass für ihre Abwicklung nach menschlichem Ermessen nie Mittel aus dem Abwicklungsfonds eingesetzt werden“, sagte BVR-Vorstand Gerhard Hofmann. Er hat jedoch den Eindruck, dass die Größe und das Risiko von Banken bei der Debatte über die Beiträge für den Fonds auf EU-Ebene zur kurz kommen. „Leider stellen wir fest, dass die Diskussionen auf Brüsseler Ebene nicht primär von Risikoerwägungen geprägt sind, sondern von der Frage, wie sich die Beiträge zwischen Banken und Ländern verteilen.“
Die Unterhändler von EU-Parlament, Mitgliedsländern und EU-Kommission hatten sich im März auf den Aufbau eines 55 Milliarden Euro schweren Fonds verständigt. Dieser soll künftig – nachdem Eigentümer und Gläubiger zur Kasse gebeten worden sind – für kriselnde Banken aufkommen. Ziel ist, dass Steuerzahler nicht mehr für Bankpleiten haften müssen – oder zumindest nur dann, wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt.
Seitdem feilschen die Länder hinter den Kulissen, wie der Fonds gefüllt werden soll. Frankreich, wo Großbanken den Ton angeben, will Finanzkreisen zufolge hohe Belastungen für BNP Paribas und Société Générale verhindern. Deutschland möchte dagegen vor allem kleinere Institute wie Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken schonen. Der BVR spricht sich dafür aus, dass die etwa 120 Bankkonzerne, die ab November von der Europäischen Zentralbank beaufsichtigt werden, 95 Prozent der Beiträge tragen.

Erschienen in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 17.07.2014 - Wirtschaft / S. 7